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 Die Geburtsstunde der "AUSBEULTECHNIK OHNE LACKIEREN"

Ausbeultechnik ohne Lackieren – Eine spannende Geschichte der Automobilbranche:

Erfunden wurde die „Ausbeultechnik ohne Lackieren“ von Oskar Flaig im Februar 1960 auf der „International Motor Sports Show“ in New York, USA.

Herr Flaig - ein einfacher Mercedesmitarbeiter - hatte die Aufgabe, auf Messen von Mercedes alle Ausstellungswagen lackierseitig zu betreuen. Beschädigungen, Kratzer im Lack und kleine Dellen, die tagsüber vom Publikum verursacht wurden, mussten nachts lackiert werden, damit die Fahrzeuge tagsüber in einwandfreiem Zustand waren. Auf der Messe in New York hatte Herr Flaig eine kleine Delle mit einem Hammerstiel gedrückt, um diese mit weniger Spachtel lackieren zu können. Nach dem Ausdrücken sah das Ergebnis jedoch schon perfekt aus. Das war die Geburtsstunde von der „Ausbeultechnik ohne Lackieren“.

Nach der Ausstellung wieder zuhause entwickelte Herr Flaig unter primitiven Umständen weitere Werkzeuge aus Hammer- und Besenstielen, Schraubenziehern, Nageleisen und abgewinkelten Flacheisen. Er stellte schnell fest, dass vor allem Federstahl besonders für die Herstellung von Richthaken und Richteisen geeignet ist und entwickelte die Technologie immer weiter.

Mit großem Engagement schulte er Mitarbeiter im Werk Sindelfingen und wurde dafür 1962 zum Werksmeister befördert und von seinen Kollegen respektvoll als Goldflaschner bezeichnet. Kurz darauf führte er Schulungen in allen Werksniederlassungen in den USA und in England durch. Der Begriff "Goldflaschner" hat sich übrigens bis heute gehalten.

Von den USA aus kam die Ausbeultechnik über Italien dann zurück nach Europa. Italienische Handwerker eigneten sich entsprechende Kenntnisse an und zogen den Hagelschäden zunächst in Italien und Österreich, später auch in Deutschland, hinterher. In Deutschland wurde diese Technologie lange geheim gehalten und erst verbreitet, als Ausbeultrupps aus Italien in den deutschen Markt drängten.

Bei der Gärtringer Karosseriebaufirma Nüssle wurde diese Ausbeultechnik seit über 2 Jahrzehnten praktiziert.

Deren Inhaber, Herr Erich Nüssle, entwickelte spezielles Ausbeulwerkzeug, welches er durch seine 1996 gegründete Firma Nüssle Spezialwerkzeuge vertreibt. Auch Schulungen zum Erlernen der Ausbeultechnik bietet das Haus Nüssle an - ganz unter dem Motto: Der richtige Weg ist die richtige Schulung. Denn nur, wer mit dem Werkzeug vertraut ist, die richtige Vorgehensweise und Handgriffe kennt, kann die notwendigen Arbeiten auch qualitativ hochwertig ausführen.

Mittlerweile wird die Ausbeultechnik ohne Lackieren bei jedem Automobilhersteller der Welt angewandt. Dadurch wurden Milliarden von Euro eingespart.

Dies ist das Verdienst von Oskar Flaig, der 1987 als Werksmeister bei Mercedes in Pension ging und zuletzt 120 Mitarbeiter unter seinen Fittichen hatte.

Oskar Flaig (geb. 21. November 1922) ist im Alter von 90 Jahren im schwäbischen Böblingen verstorben.